Klimawandel – die Uhr tickt, doch wer tickt wie?

Klimawandel – die Uhr tickt, doch wer tickt wie?
Studierende der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen stellte im Kreishaus in Borken ihr Projekt vor. - ©

Forschungsarbeit zu den Themen Klimaschutz und Gender

KREIS BORKEN | pd | Gerade laufen die „Klimawochen im Kreis Borken“. Noch bis zum 2. Oktober 2022 gibt es über das ganze Kreisgebiet verteilt viele Veranstaltungen und Aktionen rund um Klimaschutz und Klimafolgenanpassung. Dabei sind die Themen vielfältig – von biologischer Vielfalt über Elektromobilität bis zur Photovoltaik-Anlagen. Klimaschutz und Gender miteinander zu verbinden, scheint im ersten Moment etwas schwierig. Doch einige Studierende der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung aus Gelsenkirchen zeigen mit ihrem Projekt, dass die beiden Themen sehr wohl zusammenhängen. Die Gruppe, bestehend aus neun Studierenden, beschäftigte sich während ihres dualen Studiums neun Wochen lang mit der Frage „Klimawandel – die Uhr tickt, doch wer tickt wie?“. Dabei befragten sie 431 Frauen und 191 Männer, schwerpunktmäßig aus dem Kreis Borken, führten Experteninterviews und recherchierten.

Unterstützt wurden die jungen Erwachsenen von Irmgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken, und von Karolina Theißen, Mitarbeiterin der Abteilung Klimaschutz und Klimafolgenanpassung. Edith Gülker, Leiterin dieser Abteilung, lobt das Projekt. „Die Ergebnisse werden wir für die Kommunikation unserer Klimaschutzarbeit nutzen“, sagt sie Auch Irmgard Paßerschroer freut sich darüber, dass mehr als 600 Menschen an der Umfrage teilnahmen. „Dadurch hat der Kreis nun eine sehr große Datensammlung, die künftig genutzt werden kann.“ Die Ergebnisse des Projekts stellten die Studierenden in der Kreisverwaltung vor.

Ausgangspunkt für die Forschung war die Tatsache, dass Frauen ein höheres Umweltbewusstsein als Männer haben. Der Grund dafür: Frauen sind bei Klimafolgen mehr betroffen. Jedoch tragen beide Geschlechter Verantwortung für den Klimawandel. Um Näheres über die Verbindung zwischen Klimaschutz und Gender herauszufinden, stellten die Studierenden unter anderem Fragen zu den Themen Bauen, Mobilität, Abfallwirtschaft, Konsum (Kleidung, Obst und Gemüse sowie Fleisch) und zu körperlichen Beschwerden bei Hitze.

So stellte sich beispielsweise heraus, dass 13 Prozent der befragten Männer ein E-Auto fahren. Der Anteil der Frauen lag bei 10 Prozent. Die Frage, ob jemand in den vergangenen zwölf Monaten keine Online-Einkäufe zurückgeschickt habe, konnten 13 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer mit „Ja“ beantworten. Beim Thema Kauf von regionalen Produkten sagten 52 Prozent der Frauen, dass sie gelegentlich dazu greifen. 55 Prozent der Männer achten beim Einkauf auf Regionalität. Bezüglich des Fleischkonsums würden 57 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer ihren Konsum für den Klimaschutz minimieren. Frauen und Männer unterscheiden sich kaum bezüglich ihrer körperlichen Beschwerden (Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit usw.) bei Hitze.

Bei ihren Handlungsempfehlungen legten die Studierenden den Fokus auf das Kindergarten- und Grundschulalter. Diese Entscheidung begründeten sie damit, dass in diesen Altersklassen das Klischeedenken aufgebrochen werden sollte. Daher sollten die Kinder an klimafreundliche Ernährung beispielsweise durch das Selbstanbauen von Tomaten und Erdbeeren herangeführt werden. Rezepte mit saisonalem Obst und Gemüse sollten ebenfalls ausprobiert werden. Des Weiteren könnten Solarlampen die Funktion der Solarenergie veranschaulichen. Für Lichtschalter und technische Geräte böten sich Sticker mit „Licht aus“ und „Strom abschalten“ an. Damit Kinder schon im jungen Alter das Mülltrennen lernen, bestehe die Möglichkeit, die Mülltonnen zu beschriften. Für die Schule schlagen die Studierenden vor, den Unterricht nach draußen ins Grüne zu verlagern und dort Experimente durchzuführen.

Die Gruppe nahm bei ihren Vorschlägen auch junge Erwachsene in den Blick. Denn laut einer Studie würden rund 98 Prozent der 14- bis 24-Jährigen soziale Netzwerke nutzen. Daher schlagen die Studierenden vor, dass landwirtschaftliche Betriebe mehr auf Social Media setzen sollten. Aktuell würden rund 25 Prozent von ihnen die sozialen Netzwerke aktiv nutzen.

Auch könnte noch stärker auf Klimaschutz aufmerksam gemacht werden durch Flyer, Bilder und Videos in den sozialen Medien. Eine weitere Handlungsempfehlung ist das Betreiben eines gemeinschaftlichen Gartens, auch „Urban Gardening“ genannt. Dadurch sollen die Kommunen begrünt und die Einwohnerinnen und Einwohner in den Prozess miteingebunden werden. Ein Garten für alle bietet beispielsweise Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Lärmschutz. Außerdem schlägt die Gruppe einen Saisonkalender mit regionalen Obst- und Gemüsesorten vor. Einfache Rezepte sollen Bürgerinnen und Bürger dazu motivieren, die Produkte auch zu verarbeiten. In Sachen Konsum müsste gerade in ländlichen Regionen die Sensibilität für Secondhand gefördert werden. Auch ein „wandernder“ Trödelmarkt verringere Abfall.

Alle Forschungsergebnisse hielten die Studierenden schriftlich fest. Das Paper stellen sie nun der Kreisverwaltung zur Verfügung.


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